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Brigitte Wegmüller
im gespräch


Wie beschreiben Sie Ihre Architektur?
Funktionell, klassisch, klar und gut strukturiert. Ich versuche Architektur zu machen, die zeitlos ist. Vor allem aber auch immer einen Bezug hat auf die Person bzw. die Menschen, die das Objekt nutzen. Mich interessiert dabei, wie sie leben und speziell wie sie im privaten Umfeld funktionieren. 

Nach der Planungsphase geht eine Baustelle los. Wer ist an Ihrer Seite mit von der Partie?
Meine Assistentin und mein Bauleiter, mit denen ich ganz eng zusammenarbeite. Dabei kümmert sich meine Assistentin nicht nur um die Administration, sondern ist am Telefon auch Anlauf- und Schnittstelle für unsere Kunden, für mich und meinen Bauleiter sowie alle am Werk beteiligte Unternehmen. Zusammen mit meinem Bauleiter sorgen wir uns um die reibungslose technische und administrative Führung der Baustelle samt aller beteiligten Unternehmen. 

Wie führen Sie ganz konkret eine Baustelle?
Sobald die konzeptionelle Vorarbeit mit der Bauherrschaft abgeschlossen ist lade ich das Bauunternehmen bzw. die Werksausführer, den Bauherr sowie meinen Bauleiter zu einer Startsitzung ein. Es wird festgehalten wer welche Infos liefern muss, wie der Bauablauf aussehen soll und Ansprechpersonen für jede Funktion werden definiert. Zudem wird ein "jour fix" vereinbart, wo sich regelmässig alle am Werk Beteiligten vor Ort treffen, um den Baufortschritt zu besprechen und die weiteren Etappen festzumachen.
Speziell bei Umbauten hat meine Erfahrung gezeigt, dass trotz sorgfältiger Planung sehr viel während der Ausführungsphase ad-hoc entschieden werden muss. Dann sind schnelle Lösungen, die Kommunikation und Kostenkontrolle entscheidend. Und genau dann bin ich ganz in meinem Element, nahe am Ereignis und gerne mitten im "Baustellendreck- und staub" (und lacht).

Auf was legen Sie besonders Wert während der Bauphase?
Es gibt so Vieles! Der Kontakt, die Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Bauherr und den Handwerkern ist für mich das meist Entscheidende. Da fühlen ich und mein Bauleiter uns speziell verbunden wie auch zu allen Details, die auf der Baustelle den Unterschied machen.

Raumplanung wird heute in der Schweiz oft mit verdichtetem Bauen in Verbindung gebracht. Was sind für Sie zentrale Elemente einer zeitgemässen Raumplanung?
Ich habe bei diesem Thema den Anspruch, viel mehr auf bestehende Strukturen bei Siedlungsgebieten einzugehen. Damit meine ich insbesondere: "Wie gehe ich mit Grünzonen um?". Wir unterschätzen diesen Erfolgsfaktor bei der zeitgemässen Raumplanung unglaublich. Bei der Zonenplanung sollten speziell die Bezirke und Gemeinden mit Weitblick in deren Siedlungsgebiete gezielte Grüngürtel schaffen. Also Grüngürtel, die von einem Waldgebiet zum anderen Waldgebiet gehen und damit auch beim verdichteten Bauen in Siedlungsgebieten einen freien Blick garantiert. Da besteht in meinen Augen noch grosser Handlungsbedarf in den Gemeinden und in den Strukturen, wie heute Raumplanung in der Schweiz organisiert ist. Es sollten vermehrt zu den Volksvertretern auch Fachvertreter in Planungsgruppen miteinbeziehen. Die Stadt Zürich geht mit der Schaffung von gezielten Grüngürteln schon sorgfältiger um, was sich bereits positiv auf die städtische Raumplanung auswirkt.

Sie stehen für Wohnbauten in allen Formen, was meinen Sie damit konkret?
Wenn man es runterbricht auf meine Arbeiten dann sind es Einfamilienhäuser, Mietwohnungen oder Stockwerkeigentum. Betrachtet man es von den Strukturen her meine ich damit vier Wohnformen: die ganz klassische Wohnform (also Wohnung oder Haus mit Entrée, Wohn- und Esszimmer, Küche, Schlafzimmer, Büro), die WG (also Wohngemeinschaft mit gemeinsamer Küche & Esszimmer und multifunktionalen Zimmern), das Hallenwohnen, deren Grundlage aus der Besetzerszene stammt und in einem Grossraum persönliche Kleinzellen eingebaut werden, oder neu ganz am Puls der Zeit - das Clusterwohnen. Diese Wohnform zielt auf die Bedürfnisse von Singles & Alleinlebenden, welche mittlerweilen über 50% unserer Bevölkerung ausmachen. Wie es das Wort Cluster schon verrät hat bei dieser Wohnform jeder lediglich eine kleine Wohnung und trifft sich je nach Bedarf in Gemeinschaftsräumen mit anderen Clusterbewohnern.

Wie ist Ihre Passion zu Renovationen und Umbauten entstanden?
Ich arbeite viel lieber auf vorhandenen Strukturen als auf einem leeren Papier. Auch mag ich es, wenn bestehende Substanzen weitergehen und man sie zu einem Besseren verwerten kann. Aus Bestehendem etwas Entstehen zu lassen und dabei ohne einen riesen (auch finanziellen) Aufwand ein neues Detail zu generieren, das sind die Herausforderungen eines Umbaus und genau da sind meine Stärken. Und meine Passion.

(Das Interview wurde geführt von: Daniela Ochsner, UPPERGRADE)